PRESSESPIEGEL

(Quelle: Sonntag Aktuell, 9.10.2005)

"Ein Volltreffer der Flankenmarkierung"

Gelungene Premiere einer Fußball-Komödie im Schatzkistl

Mannheim. Fußball ist nichts für Frauen? Von wegen! Ok, sie fürchtet, dass 40 000 Zuhörer nur warten, dass sie fälschlicherweise Schalke 05 sagt, und steigert sich ein bisschen in die Angst vor falschen Formulierungen hinein. Aber am Ende, da muss sie die Rede doch nicht halten – aber für die Zeit, die sie bei der Vorbereitung regelrecht durchleidet, gibt es donnernden Applaus, sogar „Bravo“- Rufe und bei der anschließenden Premierenfeier Schulterklopfen von Männern, die sonst wirklich nicht der Meinung sind, dass Frauen etwas im Fußballstadion zu suchen haben.

Sie – das ist Stephanie Theiß, Darstellerin des Ein-Personen-Stücks „Das Mädchen, das Uwe Seeler sein musste“. Mit sogar bundesweiter Beachtung erlebte es als erster Kulturbeitrag zur Fußball- WM in Deutschland 2006 am Freitagabend seine Premiere im Mannheimer Musikkabarett „Schatzkistl“ im Steigenberger- Hotel. Die, wie es so schön heißt, „Komödie in zwei Halbzeiten“, hat Steffen Herbold, im Hauptberuf Art Director der Viernheimer Werbeagentur WOB, geschrieben. Doch zur Verblüffung mancher Zuschauer spielt es nicht auf dem Fußballplatz, sondern im Hotelzimmer. Dort erfährt Wally Friedrich, Managerin eines großen Sportartikelherstellers, dass ihr Konzernchef unter Vorhofflimmern leidet und daher sie die Rede zur Einweihung des nach der Firma benannten neuen Stadions halten soll. Dabei hat schon ihr Vater immer gewusst, dass sie im Fußball höchstens als Flankenmarkierung taugt, wenn der Bruder scharfe Schüsse übt. Daher gerät das Nachdenken über die bevorstehende Rede zur gedanklichen Reise in die Kindheit, zur mal kritisch- philosophischen, mal höchst amüsanten Auseinandersetzung mit allen Klischées und Mythen des runden Leders.

„Eine enorme Leistung“, findet Gerda Brand, Leiterin des Mannheimer Sport- und Bäderamtes. „Da ist viel zusammengetragen, was die Fußball- und Vereinswelt wiederspiegelt“, findet sie. Und egal ob Fußballbegeistert oder Antifußballer – das Stück kommt durchweg gut an. „Ich denke, dass das authentisch ist“, glaubt Kim Behm, die nach eigenem Bekunden „nie“ auf einen Fußballplatz geht: „Aber mir hat es dennoch sehr gut gefallen, weil die Schauspielerin sich geradezu in einen Rausch reingeredet, die Zuhörer richtig mitgezogen hat“, lobt sie. Andrea Kasten, bekennender Dortmund-Fan („Mein Herz schlägt schwarz-gelb“) fand die Komödie trotz aller beißender Ironie über den Sport ebenfalls „sehr, sehr gut“: „Hochachtung vor dem Autor, der ein wirklich starkes Stück geschrieben hat, und vor der Frau, die da zwei Mal 45 Minuten alleine auf der Bühne steht und das Publikum gefangen nimmt“.


Text: Peter W. Ragge, Foto: Markus Proßwitz

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Das Mädchen das Uwe Seeler sein musste

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